Die Treiber von VoIP

ZIELE

Es gab einen grossen Hype um die Entwicklung von Voice over IP

Die meisten Informationen, die über dieses Thema veröffentlicht wurden, sind entweder konzeptionell oder haben eine deutliche kommerzielle Zielrichtung. Xpirience.de möchte denjenigen Ingenieuren und Netzwerk-Administratoren/-Planern praktische Informationen bieten, die sich mit der Einführung von VoIP befassen

Trotzdem ist eine kleine Diskussion um die Entwicklung von VoIP vielleicht hilfreich. Dies soll in diesem Kapitel passieren.

NETZWERK KONVERGENZ

Netzwerk Konvergenz ist kein neues Thema. Es wurde vorher mit vielen verschiedenen Namen belegt, z.B. Sprach-, Datenintegration. Es beschreibt den Prozess des Transportes von mehr als einem Informationstypus auf einem Transportmedium. Die Bandbreite für die zu transportierenden Applikationen hat sich in den letzten Jahren drastisch gesteigert aber auch die Anzahl der im Firmennetz verfügbaren Applikationen ist deutlich gestiegen.

Ein Argument der Verfechter der Netzwerk Konvergenz ist, dass das Zusammenbringen vieler Applikationen auf einem einzigen Netzwerk dynamische Skalierbarkeit zur Folge hat. Zum einen in der Erweiterung des Netzwerkes, zum anderen aber auch in der Erweiterung der Geschäftsmöglichkeiten

Während die simple Bandbreiteneinsparung in der WAN-Verbindung fragwürdig ist können sich andere Einsparmöglichkeiten ergeben: z.B. Netzwerkmanagement-Kosten, Training und Immobilien. Diese sind allerdings schwer quantifizierbar. Für jeden Netzwerk-Administrator mit seiner individuellen Umgebung müssen diese Möglichkeiten kalkuliert werden. Wenn man nur die Bandbreite betrachtet, mag es immer noch effizienter sein, Sprache und Daten auf getrennten Netzwerken zu transportieren: Diese Möglichkeit sollte der Leser nie ausser acht lassen. Den Nutzen, den sich der Anwender aus der Technologie VoIP zieht liegt in dem persönlichen Anforderungen.

WELCHES NETZWERK?

Wenn die Entscheidung über die Netzwerk Konvergenz gefallen ist muss ebenso eine Entscheidung über die Anbindung gefällt werden: Eine komplette Neuinstallation?, eine Anbindung an ein Sprachnetzwerk? oder eine Anbindung an ein Datennetzwerk?

Die Entwicklung einer neuen Technologie benötigt Jahre und die Benutzer tendieren dahin, die Lösungen ungeduldig zu erwarten.

Deswegen wird die Frage welches Netzwerk zu verwenden ist von der Analyse des vorhandenen Sprach- bzw. Datenvolumen gelöst. Am Beginn des letzten Jahrzehnts war die absolute Mehrheit des WAN-Verkehrs sprachlicher Herkunft. Integrierte Lösungen haben den minimalen Datenverkehr zu einem freien Transport über diese Netzwerk - welches immer mehr digitalisiert wurde - verholfen.

Durch die Weiterentwicklung von Datenapplikationen beginnen wir diese Jahrzehnt mit einem höheren Datenvolumen als Sprachvolumen. Aus der sich ergebenen Breitbandigkeit der Datennetzwerke ergibt sich, das diese jetzt für den Transport aller Daten in Betracht gezogen.

TCP/IP

In den 1960er Jahren entwickelt ist TCP/IP eine Protokoll-Suite, welche von nahezu jedem Netzwerkgerät weltweit unterstützt wird. Es ermöglicht die Kommunikation zwischen diesen Geräten über lokale und wide area Netzwerke. Es kann im Firmennetzwerk verwendet werden und ist die internetbildende Technologie

IP scheint die logische Wahl für den Transport von Sprache zu sein. Trotzdem ist IP immer noch eine verbindungsloses Protokoll. Es liefert seine Informationen nach dem Prinzip "So gut wie möglich" aus. Das Protokoll wurde nicht für den Echtzeittransport von Sprache oder sogar Video entwickelt.

Das ursprüngliche Protokoll ist ungeeignet für Sprachübertragung: die Delay-Charkteristik kann nicht vorhergesagt werden und es kann keine Garantie über die Auslieferung der Daten in der richtigen Reihenfolge - oder überhaupt - übernommen werden.

Nichts desto trotz wird in der Weiterentwicklung des Internet Protokolls kräftig geforscht, um Sprache und Video mit der gleichen Qualität zu übertragen, wie man sie von der bisherigen Sprachübertragung her kennt und fordert. Dazu gibt es sehr viele Fortschritte in den letzten Jahren. Ob es sich im Bereich Quality of Service für das LAN um die Entwicklung der Standards 802.3p und Q (VLAN und Tagging) handelt oder für das WAN DiffServ und IntServ. Alles Entwicklungen, die auf IP aufsetzend diesen Standard weiterentickeln.

DAS INTERNET

Wie bereits erwähnt ist die reine Netzwerk Konvergenz innerhalb eines Corporate Network ohne den Nutzenfaktor für die Firma schwierig zu argumentieren. Bisher ließ sich diese Konvergenz leicht für die Übertragung von Sprache über das Internet verteidigen. Immerhin ein Bereich in dem viele Kosten für Gespräche anfallen.

Aber auch dort müssen Quality of Service-Betrachtungen adressiert werden. Aber immerhin existiert die Möglichkeit, das Sprache zwischen zwei PBX's übertragen werden können, ohne dass eine dirkete Verbindung existiert. Alles was benötigt wird ist eine Internetverbindung zwischen diesen PBX's. Das würde das bisherige Modell der Verbindung total ändern: es wird nicht mehr über Leitung mieten gesprochen, sondern über reine Bandbreite.

Sicherlich wird sich daraufhin aber auch das Abrechnungssystem im Internet diesen neuen Anforderungen anpassen und somit der Einspareffekt egalisiert.

FOLGERUNG

Diese Abhandlung sollte eine kleine Einführung in die Motive von VoIP sein. Es gibt viele andere Motive, Betrachtungen und Treiber. Zum Beispiel wird eine Firma seinen Kundenservice durch die Installation eines Web-basierten CallCenters steigern können. Bilaterale Verbindungen, ob über Sprache, Chat oder sogar Video sorgen dann für wesentlich höhere Kundenbindung über das Internet.

Es gibt wohl wenig Zweifel, dass VoIP weiterentwickelt wird. Und es wird auch immer mehr Installationen geben. Ob es sich für die Carrier oder in den Firmen durchsetzt oder vielleicht doch nur für den Verbraucher bleibt abzuwarten.