Produktvergleiche 3COM IP-Telefonanlage NBX 100
Aus LanLine 03/2001
Es muss nicht immer IP sein
Converged Networks, Voice over IP, Computer Telephony Integration – Schlagworte, die sich zunehmend mehr mit Leben füllen. LAN-TK-Anlagen wie die NBX 100 von 3Com offerieren komplett neue Lösungsansätze für das Thema Telefonnebenstellenanlagen. LANline hat in einer Testinstallation überprüft, ob das System den Erwartungen der Praxis gerecht wird.
Um es gleich vorwegzunehmen: Unter den LAN-basierenden TK-Systemen stellt die NBX 100 von 3Com eher einen Sonderfall dar. Und dies gleich in mehrfacher Hinsicht:Erstens handelt es sich hier nicht wie bei etlichen anderen Lösungen um eine so genannte Software-PBX, sondern um massive Hardware im 19-Zoll- Chassis. Zweitens basiert das NBX-System keineswegs auf IP, obwohl dies gelegentlich vermutet und teilweise auch vom Hersteller suggeriert wird. Die NBX ist standardmäßig keine Voice-over-IP, sondern eine Voice-over-Ethernet-Lösung; IP-Unterstützung ist lediglich als kostenpflichtige Option erhältlich.Folglich ist das NBX-System auf proprietäre Systemtelefone angewiesen,wo andere Lösungen verbreitet auf die Kompatibilität zu standardkonformen H.323-Endgeräten setzen. H.323 ist mit der NBX 100 lediglich über ein optionales Gateway realisierbar. Das muss alles nichts Negatives bedeuten,und es zeigt vor allem:Es geht auch anders als der allgemeine Trend. 3Coms Grundidee war es offensichtlich,mit der NBX 100 den klassischen TK-Anlagen ein LAN-basierendes Pendant gegenüberzustellen, das in Bezug auf Stabilität, Komfort und Funktionsreichtum konventionellen Systemen möglichst nicht nachstehen sollte. Zudem darf sich 3Com durchaus zu den Pionieren in der LAN-Telefonie zählen:
Bereits vor einem Jahr konnte der Hersteller – nach eigenem Bekunden – auf mehr als 3000 installierte NBX-Systeme in den USA verweisen; dies zu einem Zeitpunkt, als viele Konkurrenten noch in den Startlöchern hockten.
Sehr viel schwieriger entwickelte sich allerdings der Weg auf den europäischen und insbesondere deutschen Markt: Das für den Einstieg hierzulande entscheidende ISDN-So -Modul war offenbar harte Entwicklungsarbeit und kommt erst jetzt auf den Markt.Bislang waren lediglich das Analog-Port - sowie ein S 2M -Modul verfügbar. Zudem ist die Internationalisierung des Produkts zwar fortgeschritten,aber bis dato nicht abgeschlossen: Noch werden die Endbenutzer mit englischsprachigen Handbüchern und einem englischen Benutzermenü konfrontiert.
Die NBX 100 wendet sich an Unternehmen mittlerer Größe mit bis zu 100 oder 120 Nebenstellen.Für größere Unternehmen hat 3Com aktuell das Produkt Superstack 3 NBX Solution angekündigt, das bis zu 600 Nebenstellen unterstützen soll; eine Lösung für kleinere Firmen ist ebenfalls in Planung. Kernstück des getesteten Systems ist der NBX-Call-Processor der als Einschub für das zugehörige 6-Slot- Chassis (6 HE,geeignet für Rack-Montage) realisiert ist;die Preise betragen 2000 (Prozessoren) beziehungsweise 1000 Dollar (Chassis).Der Call-Processor ist letztlich ein eigenständiger Rechner mit Unix-ähnlichem Betriebssystem und Festplatte, auf der die System-Software,die Konfigurationsdaten und die Voice-Mail- Daten abgespeichert sind (die mitgelieferte Voice-Mail-Lizenz deckt lediglich 30 Minuten ab;maximal lassen sich 80 Stunden speichern,der Lizenzpreis beträgt in diesem Fall 6000 Dollar).Ein integrierter Web-Server stellt die Konfigurationsoberfläche für die Admininistration und die Endbenutzer zur Verfügung.
Bestückung eines NBX-100-Chassis mit NBX-Call-Prozessor, 8-Port-Hub- Karte und vier 4-Port-Analogmodulen Ein 10Base-T-Uplink-Port ist bereits im Prozessormodul integriert,das System kann aber auch intern über 10Base-T-Hub- Cards (Preis:380 Dollar)modular erweitert werden.Als ISDN-Interfaces stehen ein S 2M -Modul zum Preis von 5000 Dollar sowie Vierfach-S 0 - Module (Preis: 2400 Dollar) zur Auswahl. Die Module lassen sich im laufenden Betrieb wechseln, außerdem kann das System durch zusätzliche Chassis erweitert werden.
Die auffälligste Komponente des NBX- Telefonsystems ist das zugehörige LAN-Telefon.
Die derzeitige Auswahl beschränkt sich im Kern auf das so genannte NBX Business Telephone in den Farben Schwarz oder Weiß. Der Preis für eines dieser Telefone beträgt 450 Dollar.Das ausladende und massive Gerät lässt sich über einen variabel montierbaren Sockel für drei unterschiedliche Positionen einrichten: flach oder schräg liegend beziehungsweise Wandmontage.Der ebenfalls massive Hörer ruht sicher in einem vertieften Bett mit integrierter Gabel;zusätzlich bietet das Telefon eine Freisprechanlage.
Die Stromversorgung des LAN-Telefons erfolgt über ein externes Steckernetzteil. Der Ethernet-Anschluss ist derzeit als 10Base-T realisiert;vorteilhaft ist,dass das Gerät über einen integrierten Hub verfügt. Mit anderen Worten:Das LAN-Telefon bietet zusätzlich einen ausgehenden Netzwerkanschluss für einen beigestellten PC. Eine separate LAN-Steckdose ist somit bei der Telefoninstallation nicht nötig. Hilfreich ist dies vor allem im Migrationsumfeld, da sich vorhandene Arbeitsplätze problemlos und ohne zusätzliche Netzwerkverkabelung schnell auf LAN-Telefonie umrüsten lassen. Hersteller 3Com ist klar, dass die 10-MBit/s- Technologie auf Dauer nicht mehr zeitgemäß ist: Künftige Telefonmodelle sollen mit einem integrierten 100-MBit/s- Switch ausgestattet sein.
NBX-Chassis mit Business Telephone und DSS/BLF Adjunct Das NBX Business Telephone bietet neben der zentralen alphanumerischen Wähltastatur eine zweizeilige LCD-Anzeige mit zugehörigen Steuertasten,über die sich beispielsweise das lokale Benutzerverzeichnis aufrufen lässt.
Darüber hinaus verfügt das Telefon über eine Reihe fest zugeordneter Funktionstasten wie beispielsweise “Speaker ”,“Redial ”,“Conference ”,“Transfer ”oder “Hold”, was entsprechend für Lautsprecher, Wahlwiederholung, Konferenzschaltung, Weiterleiten und Parken steht. An den englischen Beschriftungen wird sich nach Angaben des Herstellers bis auf weiteres nichts ändern, nationale Modellversionen sind zwar künftig nicht ausgeschlossen, werden von 3Com derzeit jedoch nicht forciert. Wie deutsche Büroanwender auf dieses Angebot reagieren, bleibt abzuwarten. Mit englischsprachigen Begriffen werden die Benutzer auch in der LCD-Anzeige konfrontiert, sogar die Zeitanzeige erfolgt im angelsächsischen Zwölfstundenturnus (am/pm).Wenigstens hier könnte 3Com den kontinentalen Gepflogenheiten mit etwas Programmierung entgegenkommen.
Neben den fest vorgegebenen Funktionstasten bietet das NBX Business Telephone noch frei programmierbare Funktionstasten,die auf der rechten Seite in zwei Reihen angeordnet sind. Sechs davon sind eher für die Anwahl standardmäßiger Systemfunktionen konzipiert, zwölf weitere mit zugeordneten LED-Anzeigen dienen beispielsweise dem direkten Aufruf von Kurzwahlnummern (Speed Dial) oder dem Zugriff auf bestimmte Leitungen.So können beispielsweise Anrufe für andere Nebenstellen lokal signalisiert und gegebenenfalls übernommen werden. Den frei programmierbaren Tasten sind Beschriftungsleisten zugeordnet; Beschriftung und Ausdruck lassen sich über ein mitgeliefertes Template im PDF-Format realisieren.
Zu den fest zugeordneten Funktionstasten des NBX Business Telephone zählen auch ein Button für den Aufruf der Voice-Mailbox, Steuertasten für die Lautstärke einschließlich “Mute ”(Mikrofon aus), ein Aktivierungsschalter für temporäre Umleitungen (beispielsweise auf Voice-Mail) sowie ein Handsfree-Button; das letztere Feature bietet die Möglichkeit, interne Anrufe ohne Abheben des Hörers entgegenzunehmen. Alle Tasten des NBX Bussines Telephone sind in gummiartigem Material ausgeführt und erfordern einen relativ hohen Andruck. Sie sind entsprechend gewöhnungsbedürftig; der Benutzer wird am Anfang beim Wählen gelegentlich die eine oder andere Ziffer “verlieren ”.
Klar ist,dass das NBX Business Telephone als recht anspruchsvolles Systemtelefon ausgelegt ist, das über die Standardanforderungen vieler Büroarbeitsplätze hinausgeht; optimal ausgelegt scheint es für den Sekretariats-und Assistenzbereich oder für kleinere Arbeitsgruppen mit intensiver telefonischer Kooperation.Klar ist daher auch,dass dieses Modell für viele Bereiche im Office-Einsatz überdimensioniert ist. Der Hersteller plant deshalb, zusätzlich ein einfacher konzipiertes Telefonmodell auf den Markt zu bringen,das vor allem auch im Preis attraktiver sein soll.
Um den Bereich oberhalb des NBX Business Telephone abzudecken,bietet 3Com ein separates Zusatzgerät an, das insgesamt 50 programmierbare Line-Tasten (mit LEDs) bietet und vornehmlich für zentrale Vermittlungsstellen konzipiert ist. Dieser Zusatz mit der einprägsamen Bezeichnung DSS/BLF Adjunct (Direct Station Select/Busy Line Flashing) ist zum Preis von 500 Dollar erhältlich; er war nicht in unseren Test einbezogen. Ergänzt wird das derzeitige Angebot an NBX-Endgeräten in Kürze durch den NBX-Analogadapter zum Anschluss analoger Endgeräte (Preis:450 Dollar).Alternativ ist der Anschluss analoger Endgeräte auch zentral über eine 4- Port-Adapterkarte für das NBX-100-Chassis,den so genannten NBX-Analog-Terminal-Adapter (ATA)realisierbar (1400 Dollar). Die genannten Analogadapter sollen ausdrücklich auch Faxübertragung unterstützen,sie standen in unserer Testinstallation jedoch nicht zur Verfügung.
Insgesamt begründet der ausgeprägte Systemcharakter der NBX-Telefone die Notwendigkeit zu einer eigenständigen, proprietären Lösung.
3Com steht hier mit ihrem NBX-System ganz in der Tradition klassischer TK-Anlagen. Auf der Basis standardisierter H.323-Telefonie würde sich die Komfortfunktionalität der Systemarchitektur wohl kaum abbilden lassen, ganz sicher jedenfalls nicht mit beliebigen IP-Telefonen “von der Stange ”.
Das exakte Gegenstück zum NBX Business Telephone stellt die Software-Lösung Pcxset von 3Com dar;s ie unterstützt die Rechnerbetriebssysteme Windows 95/98,NT 4.0 und 2000. Das Softphone setzt einen entsprechend gut ausgestatteten Multimedia-PC mit 166-MHz-Pentium- Prozessor voraus, eine installierte Sound- Karte mit Full-duplex-Treiber sowie ein daran angeschlossenes Headset beziehungsweise einen adäquaten Telefonhörer.
Sieht man einmal von der notwendigen Multimedia-Ausrüstung (die nicht von 3Com bezogen wird) und dem ohnehin vorhandenen PC ab,so ist ein SoftphoneArbeitsplatz vergleichsweise preisgünstig: Die 3-User-Lizenz kostet 500 Dollar, für 25 User sind beispielsweise 3500 Dollar zu zahlen und eine Site-License ist für 6000 Dollar erhältlich. Allerdings ist es weniger eine finanzielle Frage als eher eine Frage der betrieblichen Notwendigkeiten am Arbeitsplatz, ob einem Softphone oder dem klassischen physikalischen Endgerät der Vorrang gegeben wird.
Das Pcxset Softphone bildet das NBX Business Telephone eins zu eins auf dem Bildschirm ab Für das Hardware-Telefon spricht die Verfügbarkeit des Telefonanschlusses auch bei ausgeschaltetem Rechner.Wird Mobilität gewünscht,dann empfiehlt sich das Notebook mit integriertem Softphone. Die PC-Lösung mit Headset erleichtert insbesondere Vieltelefonierern die Arbeit am Rechner oder Arbeitsplatz. Eines jedoch bietet das NBX-Konzept nicht:die flexible Wahl, ob ein Anwender -je nach aktuellem Bedarf - lieber mit seinem Business Telephone oder der am Rechner installierten Pcxset-Software arbeiten will.
Andere Systeme bieten hier die Möglichkeit,einen PC-Client nicht nur “stand alone ”zu betreiben, sondern über gekoppelte Lösungen zwischen Softphone und zugeordnetem Telefon die Wahlfreiheit der Nutzung herzustellen. Zwar lässt sich auch mit NBX-Systemen ein solcher Parallelbetrieb simulieren (am einfachsten durch “Umstellen ”des realen Telefons auf das Softphone), es läuft aber letzten Endes auf zwei unterschiedliche Telefonanschlüsse und eine zusätzliche Client-Lizenz für ein und denselben Benutzer hinaus.
Die im Prinzip einfache Installation von Pcxset könnte Administratoren durchaus auf eine harte Geduldsprobe stellen.Grund ist die problembehaftete Zusammenarbeit mit Sound-Karten. Zwar finden sich in den Handbüchern einige sehr spezielle Kompatibilitätsempfehlungen, auf Allgemeingültiges will man sich aber offensichtlich nicht festlegen.Ob eine Karte mit der NBX-Client-Software harmoniert oder nicht, kann beispielsweise von der Rechner-Hardware, dem Betriebssystem oder der Treiberversion abhängen.Letztlich wird man in diesem Punkt auf die Erfahrung des an der NBX-Installation beteiligten Systemhauses zurückgreifen müssen.
In unserer Testinstallation zeigten sich jedenfalls die potenziellen Tücken: Auf einem Rechner setzte Pcxset den Mikrofonpegel nach jedem Telefonat fast auf Null zurück (gravierend), auf einem anderen Rechner verstellten die Lautstärkeregler statt des Tonvolumens die Stereobalance – ein vergleichsweise harmloses Problem.
Entscheidend für das NBX-Softphone ist jedoch seine grundsätzliche Konzeption.Überzeugend und –durchaus beeindruckend – ist sie nur auf den ersten Blick: 3Com hat mit Pcxset quasi eins zu eins die Optik und die Funktionalität des NBX Business Telephone auf die Windows-Oberfläche abgebildet. Die Knöpfe,das Display,die LEDs –alles funktioniert ie beim real existierenden Bruder, nur dass hier mit der Maus statt mit dem Finger gearbeitet wird (ersatzweise existieren auch Shortcuts über die Tastatur).Positiv an dieser Lösung wäre sicherlich,dass die Anwender nicht mit unterschiedlichen Systemen vertraut gemacht werden müssen und flexibel zwischen beiden –realem und virtuelle Telefon –wechseln könnten.
Genau dieser Wechsel dürfte aber – wie dargestellt –beim NBX-System eher die Ausnahme sein.
Der eigentliche Kritikpunkt an der Konzeption von Pcxset ist allerdings, dass hier keinerlei echter Mehrwert durch die PC- Integration geschaffen wurde.Alles bleibt so umständlich wie es eben auf einem realen Telefon notgedrungen sein muss: Die Anzeige des lokalen Benutzertelefonbuchs beschränkt sich beispielsweise auf die am Bildschirm nachgebildete zweispaltige LCD-Anzeige; kein vereinfachter oder übersichtlicher Zugriff auf die im System hinterlegten Kurzwahlnummern; keine Vereinfachung bei komplexeren Operationen wie Konferenzschaltungen – anderswo kann solches beispielsweise über Drag-and- drop am Bildschirm erledigt werden.
Benutzer-Web-Menü mit der Anzeige der Tastaturbelegungen Eine pfiffige Client-Software,die sich vom physikalischen Vorbild des Telefons frei macht und beispielsweise auch zusätzlich im NBX-System hinterlegte Informationen nutzt, könnte dem Anwender die vorhandene Funktionalität leichter erschließen und den Komfort erhöhen.Von 3Com wird eine solche Alternative zum existierenden NBX-PC-Client nicht zu erwarten sein; nach Aussagen des Herstellers ist es denkbar, dass kooperierenden Software-Firmen bei Interesse die Programmierschnittstellen offengelegt werden. Während sich mit dem NBX-Softphone allenfalls Computer-Telefonie erzielen lässt, wird der Weg zu tatsächlicher Computer- Telefonie-Integration (CTI)über eine andere Software-Komponente geebnet, den NBX-TAPI-Service-Provider (NBX TSP). Diese mit dem NBX-System ausgelieferte Software-Komponente unterstützt die Telefonieschnittstelle TAPI 2.x von Microsoft auf den Plattformen Windows 95/98 und NT 4.0.Nach ihrer Installation auf Arbeitsplatzrechnern können lokale CTI-Programme (TAPI 1.4 oder 2.x) auf die im LAN installierte NBX-Telefoniefunktionalität zugreifen.Wie leistungsstark eine solche Integrationslösung ist und wie gut sie mit NBX harmoniert, hängt nicht zuletzt von der ausgewählten CTI-Anwendung ab; prinzipiell sollten zumindest aus-und eingehende Anrufe auf diesem Weg realisierbar sein.Die vom NBX-TSP laut Dokumentation unterstützten TAPI-Funktionen decken allerdings einen erheblich größeren Bereich ab.Der NBX-TSP ist lizenzfrei, setzt allerdings die Zuordnung zu einem NBX-Hardware- oder Software-Telefon voraus;dies geschieht über die gewünschte Nebenstellennummer einschließlich des zugehörigen Passworts. Der NBX-TSP kann auch gemeinsam mit dem NBX-Client Pcxset auf einem Rechner betrieben werden,was diesem letztendlich die fehlenden CTI-Funktionalitäten nachreicht. Ist der NBX-TSP mit einem Hardware-Telefon logisch gekoppelt,so wird beispielsweise eine ausgehende Verbindung nach der Anwahl aus dem CTI-Programm über diesen Apparat abgewickelt:Das Gerät wählt selbstständig die angegebene Nummer und stellt die Verbindung her.
In der Testinstallation haben wir den NBX-TSP nur kurz mit der Wahlhilfe von Windows und der Wahlfunktion aus den Outlook-Kontakten ausprobiert. Es gab keinerlei Probleme.Angesichts der Fülle an TAPI-basierenden CTI-Lösungen zahlreicher Hersteller sowie kundenspezifischer Lösungsentwicklungen ist hier letztlich ein so breites und variantenreiches Anwendungsfeld gegeben, dass in diesem Rahmen nicht vertieft darauf eingegangen werden kann. Ersichtlich ist aber auch, dass die gewählten CTI-Lösungen nur relativ locker mit dem NBX-System verbunden sind: Eine Koppelung ist lediglich über PC-Clients,die Client-TAPI und deren Koppelung an bestimmte Nebenstellen der NBX gegeben. Es geht hier jedenfalls nicht um eine zentrale Server-basierende CTI- Anbindung mit unmittelbarem Durchgriff auf die TK-Anlage. Wer also plant,CTI- Anwendungen in Verbindung mit einer NBX-Installation einzusetzen,der sollte dies vorab sehr genau mit dem beteiligten Systemhaus abklären,um den tatsächlichen Funktionsumfang zu kennen.
Die gesamte LAN-Telefonie des NBX- Systems wird standardmäßig auf Layer 2 über die MAC-Adressen im Ethernet abgewickelt.Dies gilt insbesondere für die NBX 100 selbst und ihre Komponenten als auch für die Hardware-Telefone und ebenso für die mit Softphones bestückten PC- Clients.(Dass die Web-Administration des NBX-Systems natürlich die Vergabe einer IP-Adresse auf der NBX 100 voraussetzt, ändert nichts an diesem Prinzip).Insgesamt kommt das Denken in MAC-Adres- sen für viele Netzwerkadministratoren in gewisser Weise einem Back-to-the-roots gleich;dass moderne Netzwerke über höher angesiedelte Protokolle ie IP konzeptioniert sind,hat doch eigentlich gute praktische Gründe.
Sucht man nach positiven Aspekten, LAN-Telefonie über Layer 2 abzuwickeln, so ist in erster Linie die geringere benötigte Bandbreite zu nennen –Layer 3 bringt zwangsläufig einen Overhead mit sich. Laut 3Com benötigt ein standardmäßiges NBX-Telefonat ohne Sprachkompression (G.711) eine maximale Bandbreite von 73 kBit/s auf Layer 2, wird es über Layer 3 abgewickelt,so sind 86 kBit/s zu veranschlagen.Wird –beispielsweise für Remote-Anbindung – Sprachkompression eingesetzt (NBX bietet G.726/ADPCM), die notgedrungen mit etwas schlechterer Qualität verbunden ist,so ergeben sich folgende Bandbreitenanforderungen: 42 kBit/s auf Layer 2 beziehungsweise 54,7 kBit/s auf Layer 3. Für Remote-Anbindungen empfiehlt 3Com heute 64-kBit/s- ISDN (oder besser), was auch für Layer- 3-Kommunikation gut ausreicht.Quality of Service und damit eine Priorisierung des Sprachdatenflusses unterstützt das NBX- System auf beiden Layern:IEEE 802.1p/Q für Ethernet-Frames sowie auf Layer 3 IP- ToS und IETF DiffServ. Die reine Layer-2-End-to-End-Kommunikation des NBX-Systems hat in realen Unternehmensnetzen natürlich dort ihre Grenzen,wo einzelne Subnetze durch Router miteinander verbunden werden. Sofern sie nicht über WAN-Bridges angebunden sind, betrifft dies vor allem Außenstellen und Home-Offices. Für diese Situationen lässt sich das NBX-System durch spezielle Lizenzen auf IP-Unterstützung aufrüsten.Bemerkenswert sind dabei folgende Gesichtspunkte:Erstens ist IP hier nicht mit H.323-Kommunikation zu verwechseln; die IP-Kommunikation des NBX-Systems läuft im Wesentlichen über den UDP-Port 2093 und hat nichts mit standardisiertem Voice-over-IP zu tun. Zweitens arbeitet das NBX-System auch nach der Einrichtung von IP weiterhin – soweit irgend möglich – über die Layer--2- Kommunikationsschiene.Das heißt,das NBX-System wechselt nur dann in Einzelfällen in den IP-Kommunikationsmodus, wenn dies unvermeidbar erscheint (wie sich in unserer Testinstallation zeigte,ist hierbei entscheidend,dass die IP-Adresse des Endgeräts in einem anderen IP-Subnet angesiedelt ist als der NBX-Server).
Die Web-Administration über “Karteikarten” erscheint nur auf den ersten Blick übersichtlich 3Com bietet die IP-Unterstützung in zwei verschiedenen Varianten an,“Standard-IP ”sowie “IP-on-the-Fly ”zu Site-Lizenzpreisen von 2000 beziehungsweise 2500 Dollar.Im Kommunikationsverhalten wie es beschrieben wurde, sind beide Varianten letztlich identisch. Bei IP-on- the-Fly lassen sich IP-Adressen dynamisch über einen Pool auf dem NBX-Server zuordnen, was bei Adressknappheit hilfreich sein könnte.Grundsätzlich bleibt jedoch stets die Möglichkeit,alle NBX-Devices, die IP-Adressen benötigen,automatisch via DHCP zu versorgen oder manuell die nötigen Informationen einzustellen;auf den Hardware-Telefonen ist Letzteres über einen speziellen Programmiermodus am Gerät realisierbar.
Ein zweifellos attraktiver Aspekt von LAN-basierenden TK-Anlagen ist die Einbindung extern stationierter LAN-Telefone über bestehende Datenverbindungen: Typische Beispiele sind Heimarbeitsplätze oder kleine Außenbüros mit ein paar Nebenstellen.Wie sich in unserer Testinstallation zeigte,sind solche Szenarien mit dem NBX-System durchaus realistisch. Unterstützt werden Anschlüsse über schmalbandige WAN-Verbindungen durch verschiedene Einstellmöglichkeiten: So lässt sich Sprachkompression für Remote-Telefone aktivieren,im Gegenzug können verschiedene Standardfunktionen wie Konferenzschaltung,die viel Bandbreite benötigen,deaktiviert werden. Durch das Feature “Silence Suppression ” lässt sich in Gesprächspausen der übertragene Datenstrom minimieren:Die scheinbare Stille ird durch synthetisches “White Noise ” ersetzt..
Im Test zeigte es sich,dass über eine einkanalige ISDN-Datenverbindung unter Nutzung der genannten Features auf jeden Fall ein Telefonat (IP-Übertragungsmodus)in akzeptabler Qualität geführt werden kann.Mehr darf man bei 64 kBit/s Bandbreite und dem verwendeten Kompressionsverfahren nicht erwarten;Versuche mit zwei gleichzeitigen Telefonaten führen zu deutlich unbefriedigenden Ergebnissen.Sind in einer Filiale allerdings mehrere NBX-Nebenstellen installiert, dann ergibt sich der folgende positive Effekt:Lokale Gespräche zwischen diesen Nebenstellen erfordern nur kurz beim Verbindungsaufbau Kontakt zum NBX-Server,der Rest der Kommunikation läuft direkt zwischen den Endgeräten ab und belastet die WAN-Verbindung nicht. Allerdings bewirkt auch schon das reine Abheben des Telefonhörers eine Verbindungsaufnahme des Endgeräts zum NBX- Server,ein Punkt,der bei kostenpflichtigen Wählverbindungen zu beachten ist.
Für ein klassisches Home-Office mit einem Arbeitsplatz könnte nach diesen Betrachtungen ein Rechner mit ISDN-Karte und einem NBX-Softphone wahrscheinlich die sinnvollste Lösung darstellen.Unterstützt die ISDN-Verbindung Kanalbündelung,so lassen sich neben einem Telefonat parallel auch in größerem Umfang Daten transferieren. Für Außenstellen mit mehreren Arbeitsplätzen und Hardware- Telefonen könnte ein ISDN-Router mit einer Kombination aus mindestens einer Festverbindung zur Zentrale und dynamisch zuschaltbaren Wählverbindungen geeignet sein.Natürlich sind auch VLAN- Verbindungen über das Internet prinzipiell denkbar,dann aber muss neben der Bandbreite auch die Quality of Service auf dieser Strecke gewährleistet sein,um den Telefonieansprüchen gerecht zu werden.
Das H.323 gilt gemeinhin als Synonym für standardisiertes Voice over IP. Das NBX-System unterstützt H.323 lediglich über ein optionales Gateway. Um Illusionen gleich zu zerstören: Dieses Gateway eignet sich zwar prinzipiell dazu, Telefonverbindungen zwischen H.323-kompatiblen Endgeräten und dem NBX-System herzustellen; aus Sicht des Systems handelt es sich bei H.323-Telefonaten aber um externe Verbindungen, vergleichbar mit dem Ruf über eine Amtsleitung.
H.323-Clients lassen sich also nicht wirklich in das NBX- System integrieren, sie bleiben ein Fremdkörper.Dennoch könnte der Gedanke verlockend sein, handelsübliche IP-Telefone oder gar den kostenlosen H.323-Client Netmeeting von Microsoft im Umfeld einer NBX-Installation zu verwenden. Rein technisch funktioniert das –wir haben es mit Netmeeting und dem IP-Telefon LP 5100 von Siemens ausprobiert. Praktisch gesehen steht der finanzielle Aufwand der Gateway-Lösung für diesen Einsatzzweck kaum in einem vernünftigen Verhältnis zum Ergebnis. Das H.323-Gateway ist als Soft are (NBX Connextions)für Windows-NT-oder -2000-Rechner realisiert. Die kleinste Lizenz für zwei Gateway- Ports kostet 1700,die 16-Port-Lizenz kommt auf 14.000.
Der Rechner sollte dediziert betrieben werden,entscheidend ist die Rechenleistung (Festplatte und Hauptspeicher sind vernachlässigbar):
Ein Pentium-III-Rechner mit 450 MHz könnte beispielsweise sechs Ports bedienen,wenn auf der H.323- Verbindung Sprachkompression (G.723) genutzt wird, läuft die Verbindung unkomprimiert über G.711, dann würde die Rechenleistung theoretisch für 22 Ports ausreichen.Immerhin scheint es bei 3Com Überlegungen zu geben, mittelfristig das H.323-Gateway als Einschub für das NBX-Chassis zu realisieren.Das Haupteinsatzgebiet des H.323-Gateways ist aus Sicht des Herstellers derzeit die Kopplung entfernter NBX- 100-Systeme.
Die Administration des NBX-Systems erfolgt über das so genannte Netset, ein Web-Menü,das über den Browser vom NBX-Server abgerufen wird.Dies gilt sowohl für die systemweite Administration als auch für individuelle Einstellmöglichkeiten der Benutzer. Beides ist in englischer Sprache ausgeführt, für den Administrator wird sich dies auch künftig nicht ändern.
Um es kurz zu machen: Ohne ausführliche Schulung oder Einarbeitung ist es keinem Administrator möglich, mit diesem komplexen System einigermaßen vernünftig zurechtzukommen. Da helfen auch das rund 300 Seiten starke Installationshandbuch oder das 500 Seiten umfassende Administrationshandbuch nicht wesentlich auf die Sprünge.
Bei Hersteller 3Com gibt man die grundsätzliche Problematik gerne zu:Die NBX 100 sei kein System für die Selbstinstallation, die Einrichtung solle vielmehr durch zertifizierte “Voice Solution Partner ” durchgeführt werden, die dann den Administrator vor Ort durch Einarbeitung und Schulung mit dem System vertraut machen.
Dennoch bleibt aus den Testerfahrungen der Eindruck,dass es 3Com einfach nicht gelungen ist, die zugegeben komplexe Funktionalität des Systems ausreichend transparent zu machen. Ein Beispiel ist der Aufbau des Administrationsmenüs, das sich optisch wie ein Karteikasten präsentiert.
In der Anfangszeit der NBX-Entwicklung mag dies in der Tat für ausreichende Übersicht gesorgt haben. Heute präsentiert sich die darunter liegende Menüstruktur als teilweise so verzweigt, dass sich der Benutzer kaum noch beim Hin-und Herklicken zwischen unterschiedlichen Web-Seiten zurechtfindet. Eine über Frames abgetrennte, Explorer-artig organisierte Menüstruktur würde hier mehr Klarheit schaffen.
Ein weiterer entscheidender Punkt ist, dass sich die vorgenommenen Systemeinstellungen so gut wie nicht dokumentieren lassen. Es existieren von einigen seltenen Ausnahmen abgesehen keine Möglichkeiten für die Druckausgabe der auf dem Bildschirm präsentierten Scroll-Listen,übersichtliche tabellarische Zusammenstellungen fehlen ohnehin. Es ist noch nicht einmal möglich, eine einfache hausinterne Telefonliste mit Namen und Nebenstellennummern auszudrucken oder abzuspeichern; der Administrator müsste sie per Hand vom Bildschirm abschreiben.
Für eine Migration von einer klassischen TK-Anlage zu einer LAN-basierenden erscheint ein derart schlecht dokumentierbares System denkbar ungeeignet. Wie auch immer die Migration aussieht, sie muss vorab in allen Schritten und mit allen Auswirkungen planbar sein. Leitlinie ist dabei die existierende TK-Installation mit ihren Benutzern, Nebenstellen,Gruppen und Sonderfunktionen. Auf dem neuen System muss die benötigte Gesamtinstallation vorab konfigurierbar und mit allen Komponenten dokumentierbar sein, um Planungsfehler zu vermeiden. Mit dem NBX-System scheint dies fast unmöglich. Ein zusätzliches Hindernis ist, dass die Telefonapparate erst dann im System definiert werden können, wenn sie physikalisch vorhanden und ihr wichtigstes Erkennungsmerkmal,die MAC-Adresse,bekannt ist:Ohne Telefone keine Planung.
Es ist in diesem Rahmen nicht möglich, auf alle Features und gegebenenfalls auch recht interessante positive Merkmale eines Systems einzugehen. Ebenso müssen auch eine Reihe von Mängeln und Kritikpunkten, die sich im Test ergaben, unberücksichtigt bleiben. Auf jeden Fall überzeugte die NBX 100 vor allem durch ihren stabilen Betrieb. Die Telefonqualität ist auch über Remote-Verbindungen recht überzeugend. Die Entscheidung für Layer 2 als Kommunikationsschiene bringt unter dem Strich mehr Nach-als Vorteile und führt zu einer im Kern proprietären Lösung.
Der PC-Client des NBX-Systems lässt einen echten Mehrwert vermissen, wer eine CTI- Lösung erwartet, ist auf Fremdprodukte via TAPI angewiesen. Die Administrationsfähigkeit der NBX 100 weist deutliche Mängel auf,die eine Migration von vorhandenen Installationen riskant machen.
Deutlich weniger problematisch erscheint der Einsatz der NBX-Lösung dort, wo TK-Installationen komplett neu zu installieren sind und in langsamen Schritten auf-und ausgebaut werden können. Das System adressiert mit zahlreichen Features wie Hunt-Groups,Call-Pickup,Voice- Mail oder Auto-Attendant stark den Inboundorientierten Telefonverkehr; je ausgeprägter und durchgängiger hierfür Bedarf besteht,desto eher könnte das System zum Produkt der Wahl werden.